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Jüdisches Leben in Schwerte
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Text von Alfred Hintz

Wie verlief das jüdische Leben in
Schwerte. Ein Zeitgeschichte Bericht.

Geschichte beginnt an der nächsten Straßenecke. Das gilt insbesondere bei der Geschichte der Juden in Schwerte. Denn: Durch die Verlegung der Stolpersteine vor einigen innerstädtischen Häusern „stolpert“ man heute bei jedem Gang durch die City über die sichtbar gemachten Spuren jüdischen Lebens.

Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens war die Synagoge. Ihr Standort an der Großen Marktstraße, heute Gedenkstätte, nur einen Steinwurf weit entfernt von der St. Viktorkirche, ist allgemein bekannt. Sie wurde 1854 im ehemaligen, von der jüdischen Gemeinde erworbenen Küsterhaus der reformierten Gemeinde errichtet.

Von den Nationalsozialisten entweiht, überstand sie die Pogromnacht 1938 mit einigen Schäden, wurde dem DRK Schwerte übergeben, hatte in den folgenden Jahren verschiedene Eigentümer und war für lange Jahre Unterrichtsraum der Fahrschule Rolf Schleicher. 1984 wurde sie in Unkenntnis ihrer früheren Funktion für eine geplante Erweiterung einer im Nachbargebäude untergebrachten Druckerei abgerissen, das Fundament auf Initiative der Schwerter Pfarrer später Gedenkstätte.

Wenn man von der Fußgängerzone zwischen C & A und DM in den Nordwall einbiegt, stößt man auf der linken Straßenseite nach etwa 200 Metern auf die Pizzeria Europa. In dem Haus war bis etwa 1920 die jüdische Schule. „Für unsere Kinder“ ist noch immer gut sichtbar über dem Eingang zu lesen. Lehrer an der Schule war Salomon Sänger, dann sein Sohn.

An die alte jüdische Schule grenzt der historische jüdische Friedhof, bis 1959 noch mit einer zwei Meter hohen Mauer von der Straßenseite abgeschirmt. Er wurde seit 1935 nicht mehr belegt. Der Schwerter Psychotherapeut und Sachbuchautor Mathias Wais hat die Grabsteine genauer unter die Lupe genommen und eine Dokumentation erstellt. (Mathias Wais: Jüdische Grabinschriften in Schwerte, 2008).

Es wurden 95 Grabstellen bzw. Grabsteine festgestellt. Die ältesten Grabsteine reichen bis etwa 1760 zurück. Sie wurden stehend errichtet, die Grabsteinaufschriften wurden zunächst in Hebräisch, dann, mit zunehmend geringerem zeitlichen Abstand zur Gegenwart auf der Vorderseite hebräisch und der Rückseite deutsch sowie schließlich um 1900 ausschließlich auf deutsch abgefasst. Man muss davon ausgehen, dass die Juden im 18. und 19. Jahrhundert im Alltag weder hebräisch gesprochen noch geschrieben haben, sondern deutsch bzw. jiddisch.

Aus den stehend errichteten Grabsteinen lässt sich folgern, dass es sich bei den dort bestatteten Juden um sog. Aschkenasim, also Ostjuden, gehandelt haben muss. Sephardim legen die Gedenksteine auf die Grabstätte. Aufgrund der Inschriften – zuletzt auf deutsch – lässt ich schließen, dass die jüdischen Schwerter/innen bzw. ihre Nachkommen sich im Laufe der Zeit akulturalisiert oder, ein anderes Wort, assimiliert
haben.

Juden lassen sich in Schwerte etwa ab Mitte des 15. Jahrhunderts nachweisen, während der nächsten 300 Jahre vereinzelt. Anfang des 19. Jahrhunderts, möglicherweise durch die beginnende Industrialisierung, ist eine deutliche Zunahme zu verzeichnen. Der bedeutendste Jude in Schwerte war Jakob Simon, geb. um 1690. Er war Vorsteher der märkischen Juden.

In der Ruhrstadt gab es also eine vollständige jüdische Gemeinde mit Synagoge, Schule und Friedhof. Einer ihrer ersten Rabbiner war Mosche Frankfurter, der 1817 nach Schwerte kam und als Mieter im Hinterhaus Westenstraße 9 wohnte. Frankfurter war als Vorsänger, Beschneider und zeitweilig auch als Schlächter tätig. Zeit seines Lebens war er arm. Als er 1862 starb, wurden die Kosten seiner Beerdigung
von der Gemeinde übernommen.

Betrachtet man nun den Standort von ehemaliger Synagoge, Schule und Friedhof, fällt die räumliche Nähe der Gebäude bzw. der Örtlichkeit des Friedhofs zu den beiden Kirchen auf. Die kath. Kirche stand seinerzeit – vor der Errichtung der jetzigen St. Marienkirche – im Bereich der Fußgängerzone. Die gleiche Beobachtung kann bei einem Gang durch Hörde gemacht werden: Ehemalige Synagoge und Kirche waren fast benachbart. In Hennen, so fand der Hennener Heimatforscher Albert Färber heraus, wohnten Christen und Juden in ihren Fachwerkhäuschen gemeinsam um die alte, romanische Dorfkirche. Sicherlich zwei deutliche Indices für Harmonie und Eintracht.

Einen weiteren Hinweis auf gute Nachbarschaft mit den Schwertern christlichen Glaubens ist ebenfalls die Tatsache, dass Juden wie Meyer Rosenthal, Ruben Dieckhoff, Isaak Hecht, Joseph Reifenberg und Eduard Marx bereits vor der Wende zum 20. Jahrhundert den Schichten angehörten, dort auch als Schichtmeister amtieren.

Das Schwerter Nachbarschaftslied nennt noch weitere Namen. Dieses Nachbarschaftslied ist ein gewissermaßen musikalischer Nachweis für gutes Miteinander von Christen und Juden. Man sang es in geselliger Runde bei Bier und westfälischen Pfefferpothast. Dr. Friedrich Theodor Tütel beschreibt in der Schwerter „Stadthymne“ von 1885 den alten Brauch, sich um „Januaris Mitte“ zu treffen, um zu essen und zu trinken, bis „der Mond vom Himmel scheint“.

Der Verfasser schwärmte von den Tafelfreuden und reimte:

„Tütel muss den Schinken schneiden. Alles setzt sich hin zum Mahl. Nur der Sänger ist verdrießlich. Und auch ist die Sache misslich unserem Moses Felsenstein. Simon, der mit seiner Nase nur zu selten steckt im Glase, isst auch keinen Schinken nicht. Dieweil Moses anbefohlen, dass die Kinder Israels sollen meiden jedes Schweinsgericht. Doch ein Schellfisch muss es machen. Und der bringt denn auch zum Lachen unsere Nachbars-Judenleut.“

In Schwerte nahmen die jüdischen Bürger schon recht früh über die Parteien Einfluss auf die Kommunalpolitik. Jüdische Mitglieder in den Gremien kommunaler Selbstverwaltung sind sowohl bereits vor 1900 als auch danach bis 1932 nachgewiesen (Eduard Marx, Ruben Dieckhoff, Isaak Hecht). Sie waren in Relation zu ihrer Gesamtzahl überproportional vertreten, müssen also verhältnismäßig „gut betucht“ gewesen sein, da die Wahlen in das Stadtparlament nach dem Dreiklassenwahlrecht bzw. nach der Steuerreform 1893 bis 1919 nach progressivem Steueraufkommen erfolgten.

Jüdische Bürger waren ebenfalls ehrenamtlich tätig. So führte Dr. Heinz Meyer den SSV O6 als Vorsitzender. Leopold Sternheim war 1909 Mitbegründer der Freiwilligen Feuerwehr Ergste und Johanna Reifenberg bildete gemeinsam mit Agnes Tütel den Vorstand des DRK Schwerte.

Die Gesamtbetrachtung der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Juden in Kaiserreich und Weimarer Republik lässt die Historiker zu dem Fazit kommen: Im Kaiserreich und in der Weimarer Republik gab es so gut wie keinen Antisemitismus mehr. Beruflich standen ihnen alle Berufe bis in Spitzenämter offen. Diese Einschätzung wird von der lokalhistorischen Sicht bestätigt. Bei der folgenden Darlegung des Schicksals der Juden unter der NS-Diktatur im Gesamtkontext der nationalsozialistischen Judenpolitik bzw. der einzelnen Phasen der Verfolgung folge ich der üblichen Gliederung: Diskriminierung, Degradierung zur minderwertigen Rasse, Segregation und Vertreibung sowie Deportation und Massenmord.

Zunächst aber zur Erinnerung ein ganz knapper Rekurs auf die Anfänge der nationalsozialistischen Diktatur. Die sog. Machtergreifung begann am 30. Januar mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler durch den Reichspräsidenten von Hindenburg. In einer 18monatigen Phase physischen und psychischen Terrors zerschlugen die Nationalsozialisten die Säulen von Demokratie, Parlamentarismus und Rechtsstaat. Der Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 war, so Reichspropagandaminister Dr. Josef Göbbels, „ein Geschenk des Himmels“. Am folgenden Tage wurde die Verordnung zum Schutz von Volk und Staat erlassen, gleichsam der Totenschein der Weimarer Republik. Sämtliche Grundrechte der Verfassung wurden abgeschafft.

Eine Verhaftungswelle war noch in der Nacht des Reichstagsbrandes angerollt. Allein in Schwerte wurden rund 100 Menschen, unter ihnen auch einige Juden, vorübergehend verhaftet. Die erste Phase des sog. friedlichen Terrors umfasst im Wesentlichen das Jahr 1933. Es bildete mit den Gesetzen zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und anderen Verordnungen sowie dem Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April den Auftakt zur allmählichen Ausschaltung der Juden aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens.

In Schwerte erfolgte der Boykott bereits am 29. März. Während der Nacht waren die Schaufenster jüdischer Geschäfte schwarz angestrichen worden. Bis zum 1. April standen SA und SS vor diesen Geschäften Posten. Hausfrauen, die dennoch dort einkauften, wurden massiv bedroht, ihre Fotos ausgehängt, wie beispielsweise nach Angaben ihrer Kinder das Foto von Maria Demgen, Mutter des bekannten Unternehmers Karl-Willi Demgen. In der Schwerter Zeitung erschienen Aufforderungen, nicht bei Juden zu kaufen. Der Boykott war erfolglos.

Der in London lehrende Historiker Peter Longerich kommt zu dem Ergebnis:
(Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933 bis 1945, München 2006, S. 66).

„Die Mehrheit der Bevölkerung war offensichtlich nicht bereit, ihr Einkaufsverhalten nach ,rassepolitischen´ Gesichtspunkten  auszurichten. Daran sollte sich auch in den kommenden Jahren nichts ändern.“

Mit dem Erlass der sog. Nürnberger Gesetze 1935, der zweiten Verfolgungsphase, degradierten die NS-Juristen die Juden gesetzlich zu einer inferioren, minderwertigen Rasse. Beamte, Ärzte, Apotheker, Steuerberater, Hochschullehrer wurden in ihrer Berufsausübung behindert, teilweise bereits aus dem Berufsleben ausgeschlossen. Diese Gesetze wurden durch Terrormaßnahmen der Nazis flankiert, weil man sich so eine raschere Auswanderung der Juden versprach. Viele Schwerter Juden zogen in die Anonymität einer Großstadt oder wanderten aus.

Das Attentat des 17jährigen Herschel Grünspan 1938 auf den Legationsrat vom Rath in Paris lieferte den neuen Machthabern den Vorwand für die sog. „Reichskristallnacht“ und für weitere Verhaftungen. In einer dürren Zwölf-Zeilen-Meldung berichtete die Lokalpresse, die Synagoge sei bei Ausschreitungen „stark beschädigt“ worden. Nach einem Bericht des OKD Iserlohn wurde das Schuhgeschäft von Helene Kugelmann während der Pogromnacht total zerstört. Demoliert wurden auch Wohnung und PKW eines jüdischen Viehhändlers an der damaligen Sedanstraße. Zeitzeugen erinnern sich, dass dort neben einem Klavier auch Möbelstücke auf der Straße gelegen hätten.

Zur Reaktion der Bevölkerung auf den Pogrom Peter Longerich:

„Trotz der von der NS-Propaganda immer wieder aufgestellten Behauptung, die Reichskristallnacht sei auf den spontan zum Ausdruck gekommenen Volkszorn zurückzuführen, ist der Befund eindeutig. Der Pogrom vom 9. und 10. November war eine organisierte Aktion der Partei. Er wurde von SA und SS-Männern, Parteiaktivisten und HJ-Angehörigen durchgeführt.“

Und der zusammenfassende Bericht der Judenabteilung des SD-Hauptamtes der Nazis hielt ausdrücklich fest:
(Longerich, S. 129)

„Die Zivilbevölkerung hat sich nur in ganz geringem Maße an den Aktionen beteiligt.“

Auf gesetzlicher Grundlage wurde der Lebensbereich der Juden in der dritten Verfolgungsphase, der Phase der Segregation und Vertreibung, systematisch eingeschränkt. Jüdischen Ärzten und Apothekern wurden die Approbationen entzogen, der Zutritt zu Theatern, Kinos, Konzerten und Ausstellungen wurde Juden verwehrt. Im September 1939 wurde ein nächtliches Ausgehverbot über Juden verhängt. Es kam zur Massenflucht aus Deutschland. Und ebenfalls 1939 wurde die Separierung der Juden von der Mehrheitsbevölkerung
konsequent fortgesetzt.

In Schwerte wurde ein Teil von ihnen in einer Baracke am Ende der Liethstraße untergebracht. Nach einer vom Einwohnermeldeamt 1962 erstellten, vermutlich nicht aber ganz vollständigen Liste, hausten in der Liethstrasse von April 1942 bis März 1943 13 Schwerterinnen und Schwerter jüdischen Glaubens. Namentlich genannt werden in einem anderem Vermerk Grete und Hermann Sternberg, Emmi Sternheim geb. Weinberg, Ida Sternheim, Isidor Israel Spiegel, Emmi Spiegel geb. Sternberg, Edith Spiegel, Richard Spiegel, Julius und Selma Neuhaus geb. Wolff sowie Sohn Heinz, Siegfried Neuwahl und Wilhelmine geb.
Winter.

Ab dem 19. September 1939 mussten alle Juden den gelben Stern tragen. Es liegen zahlreiche Meldungen auch von ausländischen Beobachtern über die ablehnende Reaktion der Mehrheitsbevölkerung auf diese Kennzeichnung der Juden vor.

Dazu wieder Longerich:
Longerich, S. 171-181

„Insbesondere den internen Unterlagen des Propagandaministeriums und dem Verlauf der Propagandakampagne lässt sich aber entnehmen, dass die Kennzeichnung keineswegs Zustimmung, sondern in
unerwartetem Ausmaß Gesten der Solidarität provozierte. Das Regime entschloss sich daher, ein mit einer Konzentrationslagerhaft bewehrtes totales Kontaktverbot gegenüber Juden zu verhängen und die antisemitische Propaganda weiter zu verschärfen.“

Schließlich begann mit der Deportation der Juden aus ganz Deutschland im Oktober 1941 die vierte Phase der Verfolgung und Vernichtung der Juden durch das NS-Regime. Ab 1942wurde der jüdische Bevölkerungsteil durch Interaktion zwischen Regierungsstellen und regionalen Machthabern in den Konzentrationslagern des Ostens ermordet. Bis zu sechs Millionen Menschen mosaischen Glaubens wurden umgebracht.

Von den 1930 in Schwerte, Westhofen und Ergste gemeldeten 105 Bürgern und Bürgerinnen jüdischen Glaubens zogen 52 im Laufe der 30er Jahre in eine andere Stadt bzw. emigrierten. 35 fanden in den USA, Südamerika sowie Indien eine neue Heimat. Sieben starben eines natürlichen Todes, 58 Menschen (einschließlich der in eine andere Stadt geflüchteten) wurden deportiert. Von den Deportierten wurden 47 umgebracht bzw. sind verschollen, acht haben Deportation und Konzentrationslager überlebt. Das Schicksal von acht Menschen konnte nicht mehr ermittelt werden.

Wer wollte, wer konnte unter den damaligen Verhältnissen die Ungeheuerlichkeit der systematischen Ermordung von Millionen Menschen glauben oder gar wissen? Alliierte Bombengeschwader legten zu diesem Zeitpunkt deutsche Städte in Schutt und Asche. Allein bei der „Aktion Gomorrah“ starben in Hamburg 50.000 Menschen. Bei den Bombenangriffen auf Dresden hat sich eine Kommission auf die Opferzahl von 25.000 Menschen geeinigt. Während der DDR-Zeit war von weit über 100.000 Todesopfern die Rede. Der Tod war durch Stalingrad täglicher, grausamer Besucher in den Familien, in der Verwandtschaft oder Nachbarschaft an der „Heimatfront“. Longerich schätzt den Teil der damaligen Bevölkerung, der über die sog. „Endlösung“ mehr oder weniger informiert war, auf 32 – 40 Prozent.

Dieser Punkt allerdings erscheint dem Bochumer Historiker Hans Mommsen
Hans Mommsen, unveröffentlichtes Redemanuskript

„gegenüber der sich allgemein durchsetzenden Mentalität, das eigene Überleben zu sichern, von sekundärer Bedeutung. Sich das ganze Ausmaß des Verbrechens einzugestehen, überforderte den normalen Zeitgenossen. Die Reaktion der Bevölkerung war durch eine Mischung von Hilflosigkeit, unzureichender Information und Furcht vor Vergeltung geprägt. Es gab auch nicht den geringsten Ansatzpunkt für einen gegen die Endlösung gerichteten Prozess. Daher stellte der Weg kollektiver Verdrängung das psychologisch begreiflich einzige Hilfsmittel dar, die eigene Identität in einer Apokalypse der Werte zu bewahren.“

Zur gleichen Frage meint Sebastian Haffner u.a.:
Sebastian Haffner: Anmerkungen zu Hitler, Fischer-TB 1981, S. 162

„Für die Deutschen wurden die Juden offiziell nur umgesiedelt. Natürlich sickerte von dem, was dort geschah, vieles trotzdem nach Deutschland durch. Aber wer durchaus wollte, konnte unwissend bleiben. Und das taten die meisten Deutschen, wie übrigens auch die meisten Bürger der anderen europäischen Länder. Etwas dagegen zu unternehmen, wäre für alle lebensgefährlich gewesen. Das Verbrechen im ganzen zu verhindern, hätte es eines Aufstandes bedurft – und wie wollte man den unter den Verhältnissen von Krieg und Diktatur zuwege bringen?“

Das letzte Ziel des Diktators gegen Kriegsende war die Vernichtung Deutschlands (Nerobefehl). Durch Rüstungsminister Albert Speer und die chaotische Situation am Kriegsende wurde dessen Realisierung weitgehend verhindert.

Haffner schließt seine „Anmerkungen“ mit folgendem Satz:

„Die deutsche Geschichte ist mit Hitler nicht zu Ende. Wer das Gegenteil glaubt und sich womöglich darüber freut, weiß gar nicht, wie sehr er damit Hitlers letzten Willen erfüllt.“