Das „Westfälische KettenschmiedeMuseum“ und die „Heiratsschmiede“ in Fröndenberg – zwei 22-jährige Erfolgsgeschichten und die aktuellen Entwicklungen und Pläne.
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Text von Norbert Muczka

Das KettenschmiedeMuseum Fröndenberg wurde am 09. Mai 1999 in einem ehemaligen Betriebsgebäude der ansonsten abgebrochenen Papierfabrik Himmelmann eingerichtet und soll an die ehemalige „Kettenstadt Fröndenberg“ erinnern. Seit 1830 wurden in Fröndenberg nämlich zunächst in über 400 sogenannten Heimketten-Schmieden und später in großen Fabriken mit zusammen über 4.000 Arbeitsplätzen Ketten hergestellt.
Die Geschichte dieser heute in Fröndenberg nicht mehr existierenden Industrie wird im Westfälischen KettenschmiedeMuseum Fröndenberg durch funktionsfähige teilweise 100 Jahre alte Schneide-, Biege- und Verdreh-Maschinen sowie elektrische Handschweiß-Maschinen, Rollfässer, Prüf- und Kalibrier-Maschinen wieder lebendig. Anschauliche Informationstafeln, historische Fotos, sehenswerte Filme und viele Exponate ergänzen die Maschinen im Museum.
Ein besonderes Highlight ist die Schmiedefeuer-Anlage von 1910 mit dem Amboss und den Fallhämmern. Wenn hier der Kettenschmied am lodernden Feuer die vorher zu einem „U“ gebogenen und auf ca. 1.200 Grad erhitzten Rundpinne zu Kettengliedern verschweißt, beeindruckt das jedes Mal die Museumsbesucher nachhaltig.

Etwas Außergewöhnliches und Besonderes ist das KettenschmiedeMuseum auch als „Heiratsschmiede“.
Hier in der einzigen Außenstelle des Fröndenberger Standesamtes haben sich im Schein von 300 Teelichtern bis Oktober 2021 schon 800 Brautpaare vor dem Schmiedefeuer das „Jawort“ gegeben und anschließend im wahrsten Sinne des Wortes „den Bund fürs Leben“ geschmiedet.
Als am 09.09.1999 aus einer „verrückten Idee“ heraus in dem vier Monate vorher eröffneten Museum die erste standesamtliche Trauung stattfand, hat niemand damit gerechnet, welche Entwicklung diese Trauungen vor dem flackernden Schmiedefeuer nehmen würden.

Aber immer mehr Brautpaare entschlossen sich in den letzten 20 Jahren, nicht mehr in den meist schlichten Räumen eines Standesamtes, sondern in oder an einem ganz besonderen Ort diesen einzigartigen Tag zu gestalten.
Im KettenschmiedeMuseum ist es dabei sicherlich nicht nur die Symbolik von der Unzertrennbarkeit einer Kette und im Vergleich hierzu der hier geschlossenen Ehe, sondern insbesondere auch das während der Trauung vorgefundene traumhaft romantische und intime Ambiente inmitten der 300 Teelichter und dem brennenden Schmiedefeuer.
Nach der offiziellen Trauungszeremonie kommt dann noch das besondere „Highlight“, bei dem das Brautpaar zusammen mit dem Schmied im wahrsten Sinne des Wortes „das Eheglück“ in Form von zwei miteinander verbundenen Kettengliedern schmiedet und hiermit die Unzertrennbarkeit seiner Verbindung veranschaulicht.

Obwohl die ehrenamtlichen „Museumsaktiven“ durchaus zufrieden mit der Entwicklung ihres Museums sind, schaut man doch auch von der bisher gezeigten Vergangenheit der Kettenherstellung in die Zukunft und möchte das Museum weiter entwickeln und zukunftssicher aufstellen.
Gerade die Corona Pandemie seit dem Frühjahr 2020 und die damit verbundenen zeitweisen Schließungen des Museums und der Ausfall vieler Trauungen führten vereinsintern zu vielen Gesprächen über die künftige Entwicklung und

Zielsetzung:
Erforderliche bauliche Erweiterungen wurden bereits bei einem Architektenworkshop diskutiert.
Die bisher gezeigte Herstellung und Anwendung der „Rundstahlkette“ soll durch das Thema „Gelenkkette“ erweitert werden.
Mögliche Erweiterungen der Öffnungszeiten, eine behutsame Digitalisierung und Kooperationen mit der einheimischen Kettenindustrie und Bildungseinrichtungen wurden diskutiert und praktiziert.
Im Ziel laufen alle Entwicklungen darauf hinaus, im KettenschmiedeMuseum in Fröndenberg ein Informations- und Bildungszentrum „Zukunft Kette“ aufzubauen und dem künftigen Museumsbesucher einen umfassenden Gesamtüberblick zum Thema „Faszination Kette“ erlebbar zu machen.

Anschrift und Informationen:
Westfälisches KettenschmiedeMuseum Fröndenberg
Ruhrstraße 12 (im Himmelmannpark)
58730 Fröndenberg / Ruhr
Tel. 02303 82004 und 0171 7092963
norbert-muczka@t-online.de

Öffnungszeiten:
Während der Corona-Einschränkungen von April bis Oktober
nur an jedem Sonntag von 11.00 bis 17.00 Uhr

Nach Aufhebung dieser Beschränkungen (hoffentlich ab 2022)
jeden Samstag u. Sonntag und an Feiertagen
von 11.00 bis 17.00 Uhr
Sonntags auch ständig Schmiedevorführungen am Schmiedefeuer
Freier Eintritt

Ganzjährige Gruppen-Sonderführungen mit mind. 10 Personen
nach vorheriger Terminvereinbarung (Schmied optional)
Kosten: 2 € Erwachsene, 1 € Kinder, Option Schmiede-Pauschale 30 €