,
Das Elsebad – eine Erfolgsgeschichte bürgerschaftlichen Engagements
Print Friendly, PDF & Email

 

 

Text von Dieter Böhmer

 

Wer kennt es nicht? Das Elsebad in Ergste/Villigst mit seiner wechselvollen Geschichte.

Begonnen hat alles im Jahre 1938, als auf Initiative des Fabrikanten Wilhelm Hidding (Kettenfabrik Theile) das Freibad unter Mithilfe des Reichsarbeitsdienstes gebaut wurde. Unterstützer fand Wilhelm Hidding damals durch das Amt Ergste, die Gemeinde Villigst und durch das Stahlwerk Ergste.
Die feierliche Eröffnung des „Freibad Elsetal“ fand im Juli 1939 statt. Das Wasser für das 50 m-Becken und das Planschbecken wurde zunächst dem Elsebach, der mitten durch das Gelände fließt, entnommen. Der Eingang befand sich damals am „Appel-Althoff-Kiosk“, der auch noch heute neben dem jetzigen Kiosk auf der „Finkeplatte“ zu finden ist.

Erster Bademeister war Karl Köster. Während des Krieges wechselten die Bademeister schnell und es wurden auch weibliche Bademeisterinnen eingestellt.
In den Nachkriegsjahren erfreute sich das Bad großer Beliebtheit bei der Bevölkerung. Else und Günter Lemmes führten bereits ab 1948 regelmäßig Schwimmkurse durch. Auch heute sieht man die beiden 95-jährigen Urgesteine noch ab und zu im Bad.

In den 60er und 70er Jahren entwickelte sich das Elsebad immer weiter. So wurde 1964 eine Umwälzanlage eingebaut und 1970 wurde die hohe Kante am Beckenrand und die sogenannte „Pissrinne“ durch einen flachen, gefliesten Rand ersetzt.

1973 nahm eine Anlage zur Erwärmung des Badewassers den Betrieb auf und sorgte dafür, dass die geringer gewordenen Besucherzahlen wieder anstiegen.

Im Rahmen der Kommunalreform übernahm die Stadt Schwerte 1975 das „Freibad Elsetal“ von dem eingemeindeten Amt Ergste.
Pläne, das Bad zu einem „Freizeitpark Elsetal“ zu erweitern und umzugestalten, scheiterten 1978 an zu hohen Kosten. Stattdessen wurde das Bad und seine Anlagen in der Folgezeit eher vernachlässigt.

Ende der 80er Jahre entwickelte die Stadt Schwerte ein Bäderkonzept, in dem der Bau des „Freizeit-Allwetter-Bades“ (FAB) beschlossen wurde und die beiden Schwerter Freibäder am Schützenhof und das Elsebad geschlossen werden sollten. Hiervon erhoffte sich die Stadt Schwerte eine finanzielle Entlastung – eine folgenschwere Fehleinschätzung, wie sich später herausstellte. Das FAB war ein deutliches Minus-Geschäft und wurde nach nur 16 Jahren Betrieb 2009 wieder geschlossen und, nachdem sich kein Käufer gefunden hatte, 2013 abgerissen. Noch bis ins nächste Jahrzehnt zahlt die Stadt Schwerte (und damit jeder/jede BürgerIn dieser Stadt) an Tilgung und Zinsen.

Die 55. Badsaison im Jahre 1993 war dann auch vorläufig die Letzte und das Bad wurde trotz heftiger Bürgerproteste und einem Bürgerantrag auf Erhaltung des „Freibades Elsetal“ geschlossen. Dies hat der Rat der Stadt mehrheitlich am 3 Juli 1993 beschlossen.

Nach der Kommunalwahl am 16.10.1994 fand sich in einer Bürgerversammlung von Bündnis90/Die Grünen eine Gruppe von BürgerInnen, die eine Unterschriftensammlung für die Wiedereröffnung des Elsebades organisierten. So kam es erstmals in NRW zu einem „Bürgerbegehren“.
Am 1. Dezember 1994 übergab der „Trägerkreis Bürgerbegehren“ der damaligen Bürgermeisterin der Stadt Schwerte, Frau Ursula Sobelat, eine Liste mit über 10.000 Unterschriften. In einem Bürgerentscheid (d. h. die BürgerInnen entscheiden statt des Stadtrates selbst über eine Angelegenheit in ihrer Kommune) sollte über die Forderung nach Wiedereröffnung des Elsebades entschieden werden.

Hierzu kam es jedoch nicht, denn die Mehrheit des Stadtrates stimmte am 18. Januar 1995 der Wiedereröffnung des Elsebades durch einen privaten Träger und hohen Auflagen zu, u. a. wurde ein Finanzzuschuss des Landes NRW zur Voraussetzung gemacht.

Es wurde in Aussicht gestellt, dass die Stadt Schwerte für die Renovierung des Bades einen einmaligen Investitionszuschuss von 850.000 DM und einen jährlichen Zuschuss von 100.000 DM für die Betreibung des Bades gewährt. Mit diesem Geld waren jedoch bei Weitem nicht die anfallenden Kosten gedeckt.

Am 2. Februar 1995 gründete sich der Förderverein „Bürgerbad Elsetal e. V.“ und schon nach einem halben Jahr hatte dieser 500 Mitglieder. (heute hat der Förderverein knapp 1000 Mitglieder und bildet damit ein starkes soziales und finanzielles Rückgrat für das Bürgerbad).
Da die Suche nach einem geeigneten Träger außerhalb der eigenen Reihen erfolglos blieb, reifte der Gedanke, das Elsebad künftig in Trägerschaft von Bürgerinnen und Bürger zu führen.
Und die BürgerInnen packten an! So konnte bereits im Mai 1995 eine fachkundige Planung des zukünftigen Elsebades einschließlich eines Kosten- und Finanzkonzeptes der Stadt Schwerte vorgelegt werden.

Wie hoch das ehrenamtliche bürgerschaftliche Engagement (auch durch Unterstützung zahlreicher Vereine und Organisationen) in so kurzer Zeit war, zeigte sich beim ersten „Trocken-Anbade-Fest“ am 10. Juni 1995, bei dem ca. 5000 Besucher auf das Badgelände strömten.

Im Februar 1996 wurde die „gemeinnützige Badbetriebsgesellschaft mbH“ gegründet. Sie sollte Betreiberin des wieder errichteten Elsebades werden.

Am 31. Mai 1997 machte sich die Bevölkerung mit einer symbolischen Grundsteinlegung Mut und endlich – am 20. Juni 1997 – lag der Bewilligungsbescheid über 337.000 DM Fördermittel durch das Land NRW vor. Damit waren alle behördlichen Voraussetzungen für die Wiedererrichtung und Renovierung des Elsebades gegeben.

Von nun an hieß es für viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer „Samstag ist Elsebadtag“. Während der gesamten Bauzeit stellten über 100 HelferInnen ihre Kraft und ihre Kenntnisse in den Dienst des Elsebad-Aufbaus. Gleichzeitig steuerten ungezählte Spenderinnen und Spender mit finanzieller und sachlicher Unterstützung ihren Obolus zur Wiedereröffnung bei. Am Ende stand ein gänzlich runderneuertes Elsebad da, mit einem Schwimmbecken aus Edelstahl, komplett neuer Technik zur Wasseraufbereitung, einem deutlich vergrößerten Planschbecken und einem sehr schönen Badgebäude mit skandinavischem Freizeitcharme.

Letztendlich kostete die Wiedererrichtung des Elsebads ca. 2,0 Mio. DM, wovon ca. 1/3 durch die enorme Unterstützung und Eigenleistung der Schwerter Bürgerschaft beigesteuert wurde.

Am 16. und 17. Mai 1998 war es dann endlich soweit. Mit einem großen Bürgerfest – jedoch noch ohne Badespaß – wurde das Bad eröffnet. Endlich war das Freibad wieder im Sommer bei verlässlichen Öffnungszeiten Treffpunkt für Jung und Alt.

Mittlerweile sind es 24 Jahre, in denen eine große und fröhliche Schar ehrenamtlicher HelferInnen, die Geschäftsführung der gemeinnützigen Betriebs-GmbH und unser hauptamtlicher Schwimmmeister und einer Fachkraft an allen Stellen im Elsebad dafür sorgen, dass ‘unser’ Bad ein Schmuckstück geworden ist und bleibt.

In dieser Zeit gab es eine Reihe von baulichen Erweiterungen und Entwicklungen zur Attraktivitätssteigerung des Bürgerbads, wie z. B.

  • das Kinderbecken aus Edelstahl (seit 2001) mit dem Sonnensegel
  • die Errichtung des Dorfs „Argeste“ in dem seit 2000 jährlich die historischen Spiele mit ca. 100 teilnehmenden Kindern durchgeführt werden
  • das Herrichten von zwei Beachvolleyballfelder (2003) und ein Jahr später ein zusätzliches Handball-Spielfeld durch Unterstützung örtlicher Sportvereine
  • der „KinoKarren“, der 2005 geboren wurde und mit bis zu sechs Vorstellungen pro Saison bis heute für unvergessliche Kinonächte sorgt
  • die Montage einer Solaranlage (2009), die zur Erwärmung von Dusch- und Badewasser beiträgt.

Neben dem kontinuierlichen und ehrenamtlich tätigen Helferteam gab es in der langen Zeit auch nur einen Wechsel in der Geschäftsführung der gemeinnützigen Badbetriebs GmbH. Nachdem Gerhard Benner 10 Jahre lang als alleiniger Geschäftsführer die Geschicke des Bades geleitet hatte, wurden 2006 die Aufgaben auf Annette Wild, Dr. Hartwig Carls-Kramp und Dieter Requardt aufgeteilt. Alle drei sind auch heute noch ehrenamtlich als Geschäftsführung tätig.

Es gab natürlich auch viele Ereignisse im Bürgerbad. Unvergessen bleiben die vielen Feierlichkeiten im Bad und fröhlichen Begegnungen mit vielen Menschen. Hervorzuheben ist der 70. Geburtstag des „Bürgerbad Elsetal“ im Jahre 2009, bei dem ein Violinenschlüssel aus ca. 700 Menschen gebildet wurde, die dem Elsebad ein Geburtstagsständchen sangen.
Die beiden Hochwasserereignisse am 13. November 2010 und am 14. Juli 2021 bleiben nachhaltig in Erinnerung. Nicht nur die entstandenen Schäden (2010 ca. 65.000 EUR und 2021 ca. 500.000 EUR) waren unvorstellbar, sondern auch die unerwartete tatkräftige und finanzielle Unterstützung und Solidarität aus der Bevölkerung und der Wirtschaft sorgten bzw. sorgen aktuell dafür, dass das Projekt „Bürgerbad Elsetal“ nicht unterzukriegen ist und weiterhin Bestand hat.

Trotz Coronapandemie sorgte das Team in den letzten beiden Jahren dafür, dass trotz vieler Einschränkungen die Schwerter Bevölkerung -und nicht nur sie- ihr Elsebad besuchen konnten.

All diese Ereignisse zeugen davon – noch mehr BÜRGERBAD geht nicht!

Dieser hohe Stellenwert sorgte auch für entsprechende Anerkennung. So zeichnete die Stadt Schwerte 2005 die Mitglieder des Fördervereins für ihr ehrenamtliches Engagement mit der Verleihung der Stadtmedaille aus und im letzten Jahr erhielt Thomas Wild als Vorsitzender des Fördervereins stellvertretend für das ganze „Team Elsebad“ das Bundesverdienstkreuz.

Voller Zuversicht erwarten nun alle Verantwortlichen die Saison 2022, die dann hoffentlich so wird, wie wir sie aus vielen Jahren kennen, mit vielen Veranstaltungen und einem uneingeschränkten, ungetrübten Badespaß.